Gewichtiger Saisonstart von Ben Hettwer

Nachdem Ende Februar die Ausgangsbeschränkungen in meinem Landkreis wieder aufgehoben wurden und das Wetter mit einigen warmen Tagen ein Gefühl von Frühling vermittelte, war für mich der Start in die Saison eingeläutet. Zunächst jedoch nicht hinsichtlich Fischen, sondern lediglich durch regelmäßiges Befahren und Beobachten des Gewässers auf der Suche nach Fischen. Ich konnte bereits im Februar einen einzelnen Fisch im flachen Badestrand des tiefen Baggersees ausmachen, jedoch war hier leider nur die Angelei vom Boot aus ein Weg in die Bereiche zu gelangen. Dies stellte für mich keine Option dar, da ich mir einen Platz suchen wollte, den ich schnell und unkompliziert anwerfen und beangeln konnte. Aus meiner Angelei in der Vergangenheit an diesem Gewässer wusste ich, dass ein flacher Ausläufer in einem anderen Teil des Sees in der Vergangenheit bereits im Sommer sehr vielversprechend war. Die flache Zunge zieht sich lange in Richtung Seemitte hinaus bis auf 2m Wassertiefe und fällt dann extrem steil bis auf über 15m Tiefe ab. Ich entschied mich mein Glück hier zu versuchen und begann das Ende der Zunge bis ins tiefere Wasser auf 4-5m hinein mit Hanf und Instant Yellow in 16mm zu befüttern. In früheren Jahren war es bereits gerade vor bzw. während der Laichzeit extrem erfolgreich mit einzelnen visuell attraktiven Ködern zu füttern und beim Angeln lediglich mit Pop-Ups zu fischen. Wieso sollte dies nicht auch funktionieren, wenn die Fische noch sehr träge sind und nur in kurzen Zeitfenstern Nahrung zu sich nehmen?

In der ersten Nacht zeigte sich direkt, dass der Plan aufging, denn ich konnte neben einer Brasse einen schönen kleinen Spiegler fangen, der auf den Yellow Pineapple Fluoro Pop-Up über einem kleinen Teppich aus Hanf, Weizen und Haferflocken biss.

Meiner Meinung nach, kann man bei dieser Form der Angelei auch keinen großen Fehler bezüglich der Futtermenge der Kleinstpartikel machen, da die Fische den Pop-Up völlig unabhängig von ihrer Nahrungsaufnahme anschwimmen und einsaugen. Dass mein Futter gefressen wurde, war eindeutig, denn der Fisch schied genau meine Mischung aus Hanf, Haferflocken und Instant Yellow Baits aus.

Ich fütterte somit die nächsten beiden Wochen alle zwei Tage weiter mit ordentlich Partikelmix und einigen wenigen Instant Yellow Boilies an, ohne den Platz währenddessen zu befischen. Mein Futter kontrollierte ich nicht, da ich während dem Füttern in den Abendstunden mehrmals Fische auf dem Platz buckeln sah und mir somit relativ sicher war, dass das eingebrachte Futter auch gefressen wurde.

Es stand nun Ende März die nächste Nacht auf dem Platz an und ich legte erneut zwei Ruten mit Multirigs und Pop-Up auf den Platz. Gegen 0 Uhr konnte ich den ersten Biss verzeichnen und einen Schuppenkarpfen mit über 22 kg fangen.

Den Rest der Nacht sowie den gesamten Vormittag hatte ich keine weiteren Aktionen, was zeigt, wie kurz die Fressphasen der Fische in dieser Jahreszeit und bei kaltem Wasser mit knapp über 7 Grad sind.

Ein durchaus akzeptabler Start an diesem Gewässer und meine Motivation stieg lediglich weiter an, umso bitterer schlug der darauffolgende Montag ein, als wieder weitreichende Beschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen wurden und auch eine kommende Ausgangssperre abzusehen war.

Ich entschloss mich somit schnell zu handeln und alsbald wieder zum Fischen zu kommen, bevor dies nachts wieder unmöglich gemacht wird. Grundsätzlich bin ich kein Freund davon Plätze in zu kurzen Abständen zu frequentieren, jedoch blieb mir angesichts des ungewissen Ausblick keine andere Möglichkeit als nur zwei Tage nach der letzten erfolgreichen Session, wieder abends an den See zu fahren um eine schnelle Nacht zwischen zwei Arbeitstagen einzulegen.

Das Prozedere am Abend war schnell erledigt und ich hatte in Windeseile beide Ruten mit Fluo Pop-Ups bestückt und auf den Platz geworfen. Kurz danach begannen auch schon erste Aktionen an den Schnüren und es zeigte sich ein Fisch in unmittelbarer Nähe meiner Köder.

Um 21 Uhr war es dann soweit und meine linke Rute lief ab. Erstaunlicherweise haben die Fische zur Zeit trotz der niedrigen Wassertemperaturen eine enorme Kraft, sodass der Fisch sich erst nach zwei heftigen Fluchten in Richtung Kescher bugsieren ließ. Ich staunte nicht schlecht, als ich feststellte, erneut einen der größeren Seebewohner mit erneut über 22kg gefangen zu haben.

Gerade in solchen Situationen und angesichts der kurzen Beißphasen ist es enorm wichtig, schnell die Köder wieder auf dem auserkorenen Platz liegen zu haben. Hier hilft das Angeln mit Multirigs und Pop-Ups extrem, denn innerhalb von 2 Minuten nach dem Biss liegt die Rute wieder auf dem Platz und man kann sich wieder leise verhalten.

Den Rest der Nacht blieb es still und außer den Wasservögeln konnte ich auch auf dem Wasser keine Aktion ausmachen. Der Morgen eröffnete sich mir jedoch völlig konträr der Nacht und ich wurde durch eine strahlende Sonne geweckt. Dies war für mich ein Zeichen die Ruten doch noch ein bisschen liegen zu lassen. Gegen 8 Uhr kurz bevor ich einpacken musste, lief die Erfolgsrute des Vorabends erneut ab. Schon im Drill war klar, dass sich hier erneut kein ganz kleiner Geselle am anderen Ende zu schaffen machte. Nach Keschern des Fisches staunte ich nicht schlecht was für eine Wand sich in den Maschen zeigte. Gut zu erkennen war der gelbe 16er Fluoro Pop-Up, welcher im Fischmaul wirklich winzig erschien.

Da ich dieses Gewässer schon in der Vergangenheit befischte, wusste ich dass ich diesen Fisch bereits 5 Jahre zuvor mir knapp 24 kg Gewicht fangen konnte. Das Wiegen bestätigte meinen Verdacht, dass der Fisch ordentlich zugelegt hatte und so pendelte sich die Waage bei über 27kg ein.

Gerade in diesem Gewässer, welches einen hohen Bestand an kleineren Karpfen zwischen 15 und 25 Pfund aufweist, scheint die angewendete Taktik eine sehr gute Selektion vorzunehmen. Es mag durchaus am Wetter und der Jahreszeit liegen, dass fast ausschließlich große Fische gebissen haben, jedoch sehe ich gerade bei häufig gehakten bzw. gefangen Fischen Hanf als einen der besten Köder an, welcher oftmals viel argloser aufgenommen wird. In Kombination mit einem Pop-Up ist dies m.E. sehr selektiv einsetzbar.

Es bleibt nun weiter spannend wie sich die Gesamtsituation in Deutschland politisch und gesellschaftlich weiterentwickeln wird und wie sich dies auf unser Hobby auswirkt. Ich werde jedoch so lange am Ball bleiben wie möglich in der Hoffnung, dass das Jahr 2021 so weitergeht wie es nun begonnen hat.

In diesem Sinne bleibt gesund und munter!

Ben

 

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