Frankreich Pur – Teil 2

…es passierte allerdings nichts mehr. Ich hatte nun aber Zweifel das meine Montage nicht mehr sauber am Grund liegt und entschied mich dazu die Rute schnell neu zu fahren. Ich nahm sie auf und spürte direkt starken Widerstand, aber das schien kein Fisch zu sein, dort bewegte sich rein gar nichts.

Kein seltenes Bild an diesem Tag, wir drillten uns buchstäblich die Finger wund

Um einen Abriss zu vermeiden stieg ich ins Boot und pumpte mich über den Widerstand, ein riesen Krautbüschel kam an die Oberfläche. Ich habe zu dem Zeitpunkt wirklich nicht einmal ansatzweise daran gedacht, dass sich ein Karpfen am anderen Ende der Schnur befinden könnte. Ich befreite trotzdem vorsichtig die Schnur vom Grünzeugs und suchte im Krautfeld meine Montage, bemerkte aber recht schnell, dass sich einzig das Absenkblei im Kraut verfangen hatte. Ich wollte nun meine Montage hochkurbeln, merkte aber das sich dort unten doch etwas am anderen Ende der Schnur befand. Die Rute bog sich im Halbkreis und ich wusste sofort was Sache ist. Alle vorherigen Fische verhielten sich während des Drills sehr hektisch doch dieser Fisch stand einfach am Grund und zog seine Bahnen. Nach einiger Zeit kam er dann ohne Gegenwehr mit und im Glasklaren Wasser sah ich bereits seinen massiven Körper. Direkt der erste Kescherversuch war erfolgreich. Nun saß ich dort auf meiner Sitzbank und war für kurze Zeit einfach völlig fassungslos, ich wusste das dort vor mir ein Fisch mit solchen Ausmaßen liegt, wie ich sie mir wirklich schon so 

lange und so sehr wünschte. Ich schrie mir nun förmlich die Seele aus dem Leib, das mich dabei bestimmt 150 Badegäste total besorgt anschauten war mir absolut egal. Zurück am Ufer bestätigte die Waage, dass dieser Fisch oberhalb der 25kg Marke wiegt. Marcel nahm mich in den Arm und freute sich riesig für mich mit. Was in diesem Zeitpunkt in mir vorging lässt sich nur schwer in Worte zu fassen, aber ich denke einige von Euch hatten schon mal ein ähnliches Gefühl. Einfach nur unglaublich, wir packten den Fisch kurz in die Schlinge damit ich erstmal klarkommen konnte und um alles für den Fototermin vorzubereiten.

Da war er endlich, mein erster Karpfen mit über 25kg

 

Nachdem der Moment digital verewigt wurde, packten wir mehr als zufrieden ein und fuhren zum Parkplatz um lecker zu kochen und ein paar Bier zu trinken.

Ich war einfach nur überglücklich diesen Fisch fangen zu dürfen 

Marcel kümmerte sich um das kochen und ich schaute mir Gefühlt eine Kameraakkulaufzeit lang die Bilder an und versendete diese an gefühlt meine halbe Kontaktliste. Nach einem leckeren Essen hielt dann ein Französisches Auto neben uns und ein Mann fragte uns freundlich nach einer Zigarette, wir willigten ein und unterhielten uns noch einige Minuten mit ihm, bis er sich plötzlich komisch verhielt und relativ schnell verschwand. Wir dachten uns nichts dabei, räumten die Sachen zurück ins Auto und klappten unsere Liegen auf. Marcel wollte nun wie gewohnt das Auto abschließen doch wo war der Schlüssel? Er war weg, und nachdem wir mitten in der Nacht über 3 Stunden das komplette Auto und die nähere Umgebung auf den Kopf gestellt haben, war der Schlüssel immer noch weg. Wir zählten 1 und 1 zusammen und stellten fest, dass wir von dem einst netten Franzosen scheinbar beklaut wurden. Wir riefen sofort die Polizei und erklärten ihnen die Situation inklusive Täter und Autobeschreibung. Uns war von nun an wirklich mehr als schlecht und wir hatten auch irgendwo Angst das der Mann vielleicht nochmal wiederkommt. Es war bereits der nächste Morgen als endlich einige Leute auf die Nachricht aus der Nacht antworteten und fragten wie sie uns helfen können. An dieser Stelle ein riesen Dank an Adrian, Stefan und Janek die sich sofort dazu bereit erklärten die 1000km auf sich zu nehmen, um uns den Ersatzschlüssel zu bringen. Mein Freund Janek war es dann der sich letztendlich ins Auto setzte und losfuhr. Ich telefonierte gerade mit ihm und er sagte mir, dass er die ersten 300km bereits hinter sich hätte und irgendwann in den Abendstunden bei uns eintreffen sollte.

Da saßen wir mit unserem Talent, einmal nicht aufgepasst und der Trip war gelaufen

Einen kurzen Moment nach dem auflegen bog der Streifenwaagen mit den Polizisten vom frühen Morgen auf den Parkplatz ab, wir dachten uns erstmal nichts, drehten sie doch wie versprochen in regelmäßigen Abständen eine Runde um den See um nach dem rechten zu schauen. Sie stiegen aus und grinsten uns komischerweise an, bis der eine von beiden die kleine Tasche inkl. Powerbank und Autoschlüssel in die Luft hielt. Wir waren einfach nur Sprachlos, auf der anderen Seite vom See war ebenfalls ein Parkplatz auf dem die Polizei ein Auto kontrollierte welches genau auf unsere Beschreibung passte. Wenn ich es richtig verstanden habe, lag die fehlende Tasche direkt vorne auf dem Beifahrersitz. Wir waren überglücklich, ich rief sofort Janek an und sagte ihm er könne umdrehen. Marcel und ich hingegen wollten einfach nur so schnell wie möglich von diesem See weg und suchten erstmal ein Restaurant auf um uns den leeren Magen vollzuschlagen und zu versuchen die Ereignisse aus der letzten Nacht halbwegs zu vergessen. Danach zog es uns noch an einen kleinen See Richtung Heimat an dem wir über Nacht am See bleiben konnten, hier konnten wir am nächsten Tag unsere Sachen aufräumen und sortieren und einen weiteren Tag später die Heimreise antreten. Das wir dort keinen weiteren Fisch mehr fingen war Nebensache, wir waren einfach nur froh das sich mit der Schlüsselaktion noch alles zum Guten gewendet hat.

In der Heimat ging es weiter, wie es in Frankreich aufgehört hat

Natural GLM Boilies, aus meiner Angelei nichtmehr weg zu denken

Sofort als wir wieder in der Heimat waren fing ich an, ein für mich neues Gewässer zu befischen. Was dort die nächsten Wochen alles so ablief war für mich einfach nur der Wahnsinn, das ist aber was für eine andere Geschichte. Ich wünsche Euch allen nun eine schöne Winterzeit und vielleicht trifft man sich ja auf der ein oder anderen Messe.

 

Bis zum nächsten Mal.

Hendrik Scholle

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