Nordfrankreich im Herbst

Mitte Oktober zog es mich mit meinem guten Freund Jonas, der überhaupt nichts mit dem Karpfenangeln am Hut hat, an einen der großen Flachlandseen in Nordfrankreich.

Es sollte ein mit 4 Nächten recht kurzer Trip werden, doch er wollte schon länger einmal mit nach Frankreich kommen und da bat sich dieser Kurztrip perfekt zu an. Mit im Gepäck hatte ich die erste Version des Natural-GLM Boilies und den neuen Complete Fish & Cream. Ich war gespannt, wie die Cream-Boilies anliefen werden. Mit der normalen Version des Complete Fish fing ich bisher etliche Fische, unter anderem auch meinen größten Fisch bis dato.

Als wir am späten Morgen am See ankamen, sah das Wetter eher nicht so nach Fangwetter aus. Strahlend blauer Himmel, leichter Wind, hoher Luftdruck und eine Temperatur von 20 Grad waren nicht das, was ich mir für diesen Herbsttrip gewünscht hatte. Wenigstens zum Boote beladen und übersetzen passte das Wetter, wobei mir richtiges „Sauwetter“ doch schon lieber gewesen wäre.

Wir setzten uns auf eine Stelle, wovon ich eine recht große Wasserfläche gut befischen konnte. Uns zugunsten wurde der Wind während der Aufbauprozedur stärker und drückte in unsere Bucht. Ich verteilte die Ruten an strategisch gut gelegenen Stellen zwischen 3 und 4 Metern, wo die Fische früher oder später vorbeikommen sollten.

Da der Gewässergrund hier hauptsächlich aus Schlamm besteht, kamen an meine Ruten lange geflochtene Vorfächer mit Prolight-Hookbaits in 24 mm zum Einsatz. Ich verteilte eine Mischung aus den Natural-GLM´s und dem neuen Complete Fish & Cream Boilies in, so wie meistens bei mir, unterschiedlichen Größen, weit verteilt um den Hakenköder. Einige der Boilies halbierte ich ebenfalls, um mit weniger Futter eine größere Fläche abdecken zu können.

Es war grade erst dunkel geworden, dann kam schon der erste Lauf auf die kürzeste Rute. Nach einem ewig langen Drill war aber klar, einen der vielen großen Welse gehakt zu haben. Dies bestätigte sich dann auch nach weiteren 20 min drillen und wir konnten einen über 180 cm großen Wels in die Falte ziehen, was sich allerdings als nicht die beste Idee herausstellte…

Wir fingen direkt in der ersten Nacht einige Fische bis ca. 15kg, was schon mal ein guter Einstand war. Die Plätze wurden angenommen aber die meisten Bisse kamen auf die linke Rute, welche in der Nähe einer großen Schilfspitze lag. Tagsüber lief nichts mehr, was für diese Seen aber auch nicht untypisch ist.

Ein leichter Luftdruckabfall stand an und der Wind nahm auch immer mehr zu, so brachte uns die zweite Nacht wieder ca. 5 Fische, unter anderem auch die ersten großen Fische wie ein Two Tone mit knapp 20 kg. Ich behielt die Taktik so weiter und es lief immer besser, die Fische wurden größer und mittlerweile hatten sich wieder ein paar gute Fische bis knapp 19 kg eingereiht. Wir waren nach der dritten Nacht bei nahezu 15 Fischen angekommen, was für dieses Gewässer ein gutes Ergebnis war. Die Locals die weiter entfernt saßen, fingen zu zweit in 3 Nächten nur 3 oder 4 Fische, was für unser gutes Futter und die passende Platzwahl sprach.

Am letzten Abend saßen wir wieder unterm Schirm, kochten uns etwas und legten uns dann recht früh auf die Liegen. Der Wind nahm immer mehr zu und ich hoffte insgeheim auf einen dicken Abschlussfisch. Um kurz nach 20 Uhr lief die linke Rute an der Schilfspitze wieder ab. „Das muss er sein!“ rief ich zu Jonas, während ich mir die Watstiefel anzog. Als wir auf der Falte saßen merkten wir, dass der Wind immer stärker wurde. Ich paddelte uns zügig über den Fisch und dann übergab mir Jonas die Rute. Ich merkte schnell, dass wir es da mit einem der größeren Fische zu tun haben müssen. Er zog uns komplett über die große Bucht. Der Sturm war mittlerweile so stark, dass Schaumkronen um uns herum auf dem Wasser waren.

Die Falte wurde gut durchgeschüttelt und der Fisch wollte und wollte nicht hochkommen. Ich rechnete schon mit einem der Welse, aber die typischen Schläge fehlten, weshalb ich doch noch etwas vorsichtiger drillte. Kurz vorm Erreichen des anderen Ufers kam der Fisch endlich hoch und war beim zweiten Kescherversuch dann im Netz! Unglaublich, wir befanden uns knapp 600 Meter von dem Platz weg, wo der Fisch gebissen hatte!
Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir komplett fertig am Ufer an und schauten auf die Uhr. Es war bereits nach 21 Uhr, die ganze Prozedur dauerte also über eine Stunde! Wir hingen den Fisch an die Waage, die erneut knapp unter 20 kg anzeigte. Ich legte die Rute wieder auf den Platz und fütterte nur ganz wenige einzelne Boilies hinzu.

Kaum eingeschlafen, fand ich mich in der Falte wieder. Mittlerweile war es komplett windstill, deshalb entschloss ich mich alleine rauszufahren. Nach verhältnismäßig kurzem und problemlosen Drill kescherte ich einen deutlich größeren Fisch ab, als der kraftvolle Vorgänger. Die Waage bestätigte dies und wir waren froh um den krönenden Abschluss in Form eines langen Spieglers über 20 kg. Außerdem fingen wir noch 2 weitere kleinere Fische am Morgen und nach einem frischen Kaffee packten wir zufrieden ein.

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